Wunder "Wiederaufbau"

Volkenroda war ein sterbendes Dorf. Mit dem Wiederaufbau des Zisterzienserklosters kam neues Leben in den kleinen Flecken. Es gab wieder Arbeit.

" Zwischen Mühlhausen und Schlotheim liegt das 200-Seelen-Dorf, wenige Kilometer von der B249, allzu viele von der nächsten Autobahn entfernt.

Die landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaft (LPG) und der Kalibergbau hatten zu DDR-Zeiten für Arbeitsplätze gesorgt.

Nach der Wende machte alles dicht, die Arbeitslosenzahlen stiegen auf über 50 Prozent. Volkenroda passte ins Bild des tristen Ostens: In den vergangenen 10 Jahren haben 1,5 Mio Menschen aus den neuen Bundesländern ihre Heimat aufgegeben (...).

Anfang der Neunziger standen in Volkenroda außer den Ruinen des Klosters nur noch wenige Häuser, die meisten in trostlosem Zustand. Ob das SED-Regime wirklich beschlossen hatte, das Örtchen "abzusiedeln", weiß Ulrike Köhler nicht. (...) Die arbeitslos gewordene Ökonomin hatte sich nach der Wende mit einer Gruppe von Bürgern für das Kloster eingesetzt, "um meinem Leben und meinem Heimatdorf wieder eine Zukunft zu bieten".

Der Klosteraufbau schuf Dutzende ABM-Stellen (...). Lange versuchte die Gruppe Kliniken oder Hotelkonzerne für das Anwesen zu begeistern - vergeblich. Erst 1994 fand sich mit der Jesus-Bruderschaft aus dem hessischen Gnadenthal ein neuer Besitzer.

Die Gemeinde verkaufte das Kloster für einen symbolischen Preis, mit der Auflage, die Anlage zu sanieren und zu nutzen. Mittlerweile sind dort 25 Menschen beschäftigt, es gibt ein Architekturbüro, ökologische Landwirtschaft, ein europäisches Jugendbildungszentrum.

Und Volkenroda wurde als EXPO-Projekt Dorf 2000 in das Dorferneuerungsprogramm aufgenommen. Seit August 2001 steht der Christus-Pavillon der Weltausstellung in der Gemeinde."

(aus der "Zeit", 10/2002)