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22. August 2026 | Berichte

Utes Rezept

Jerusalem: Abschied von einem Brückenbauer

Als wir Ende Juli Propst Joachim Lenz in Jerusalem besuchten, war schnell spürbar: Diese Stadt ist mehr als ein Ort der Geschichte. Sie ist Sehnsuchtsort der drei monotheistischen Religionen – und zugleich geprägt von Unsicherheit und den Wunden eines scheinbar nicht enden wollenden Konflikts.

Mit Joachim Lenz verbindet uns eine langjährige Freundschaft. Kennengelernt haben wir ihn während der Vorbereitungen des Deutschen Evangelischen Kirchentages 2011. Er war in Dresden Kirchentagspastor. Später begegneten wir ihm als Vorstand der Berliner Stadtmission wieder. Für dieses neue Amt mit großer Verantwortung hat er bei Friedrich den Kurs „Management für Sozialunternehmen besucht. Als er überlegte, sich auf das Amt des Propstes in Jerusalem zu bewerben, durften wir ihn ermutigen. Dass der Rat der EKD ihn schließlich zum Propst von Jerusalem und Repräsentanten der Evangelischen Kirche im Heiligen Land berief, erfüllte uns mit großer Freude.

Sechs Jahre lang lebte und arbeitete er unmittelbar neben der Erlöserkirche in der Altstadt Ost-Jerusalems – mitten zwischen jüdischem, muslimischem und christlichem Leben. Seine Amtszeit wurde überschattet von der Corona-Pandemie und schließlich von Krieg und Terror. Besonders nach dem Überfall der Hamas am 7. Oktober 2023 erlebten wir einen zutiefst bewegten Joachim Lenz. In unseren Gesprächen berichtete er von der Verzweiflung der Menschen auf beiden Seiten, von zerstörtem Vertrauen und von der wachsenden Sprachlosigkeit. Gleichzeitig erzählte er immer wieder von Menschen, die trotz aller Gewalt Brücken bauen und den Dialog nicht aufgeben.

In einem Interview sprach er von einer „Hoffnungssturheit“. Dieser Begriff hat uns tief beeindruckt. Trotz aller Rückschläge hält er daran fest, dass Frieden möglich bleibt, wenn Menschen einander zuhören, sich nicht von Hass bestimmen lassen und den Glauben an Gottes Versöhnung bewahren.

Gerade wir Deutschen tragen gegenüber Israel und dem Heiligen Land eine besondere historische Verantwortung. Sie verpflichtet uns zu Solidarität mit den Opfern, zu Besonnenheit im Urteil und zum Gebet für Frieden und Gerechtigkeit. Die Kirche kann den Krieg nicht beenden. Sie kann aber Hoffnung wachhalten und diejenigen stärken, die sich für Verständigung einsetzen.

Ende Juli wurde Joachim Lenz verabschiedet. Im Advent wird Pfarrer Olliver Zobel sein Nachfolger. Bemerkenswert ist, dass Olliver Zobels beruflicher Werdegang ihn wiederholt nach Jerusalem und ins Heilige Land geführt hat, als Student, als Vikar an der Evangelischen Erlöserkirche und in der Leitung und Verwaltung der in Latrun bei Jerusalem ansässigen Jesus-Bruderschaft Gnadenthal. Auch hier liegt also eine Verbindung vor.

Wir danken Joachim Lenz für seinen mutigen Dienst an einem Ort, an dem christliche Hoffnung täglich auf eine harte Probe gestellt wird. Möge Gott seinen Dienst weiter segnen – und dem Heiligen Land den Frieden schenken, nach dem sich so viele Menschen sehnen.

Wer mehr Informationen im O-Ton lesen möchte, kann hier reinschauen: Jerusalemer Propst: „Es kam schlimmer“ | evangelisch.de

Prof. Friedrich Vogelbusch